Heimkommen.


Große Freude gemischt mit einem Gefühl von Leere.


16 Monate unterwegs und nun bin ich zurück Zuhause, in Wittgenstein. Auch wenn ich mich schon seit Juli darauf eingestellt habe, Weihnachten wieder Zuhause zu sein, habe ich mir das Heimkommen doch einfacher vorgestellt.

Im Juli 2020 beschloss ich für mich, an Weihnachten nach Hause zu fliegen und meine Familie zu überraschen. Im November buchte ich den Flug und schneller als man gucken konnte war dann auch schon der 23. Dezember, der Tag meiner Heimreise. Noch fühlte sich alles so surreal an, erst auf dem Weg zum Flughafen in Brisbane kamen dann die gemischten Gefühle. Natürlich freute ich mich total darauf meine Familie und Freunde wiederzusehen, doch trotzdem war da diese Unsicherheit. 16 Monate auf sich allein gestellt, tun was man will und das alles ohne gewisse Verpflichtungen und dann zurück nach Deutschland? Zurück in die Realität? In den Winter? Während einer weltweiten Pandemie? Aus einem der sichersten Länder in den Lockdown? Nun ja. Meine Entscheidung stand fest. Einfach habe ich mir die Rückkehr nie vorgestellt. Ich dachte immer es würde so sein, dass ich in der ersten Zeit glücklich sein werde, alle wiederzusehen und dann, sobald der Alltag wieder eintrudelt, die Zeit im Ausland extrem vermissen werde. Darauf habe ich mich in etwa eingestellt.

Seit dem 24. Dezember bin ich nun wieder Zuhause und wie es mir seither ergangen ist, erfahrt ihr hier :-).


Weihnachten.

An Heiligabend um 13 Uhr landete mein Flieger in Frankfurt. 27 Stunden und 40 Minuten war ich unterwegs. Kaum waren wir über Europa wurde es draußen auch schon grau. Meine Gefühle spielten verrückt. Ich war so aufgeregt und konnte kaum glauben meine Familie ganz bald schon wieder zu sehen. Aber ich war auch traurig, traurig diese Reise nun hinter mir zu lassen. Während dem Landeanflug hätte ich eigentlich schon losheulen können, schaffte es aber es zurückzuhalten. Dann raus aus dem Flugzeug, durch alle Kontrollen, das Gepäck einsammeln und zum Ausgang. Anna wartete dort bereits auf mich. Wir fielen uns in die Arme und natürlich heulte ich dann erstmal richtig los. Es war so schön sie wiederzusehen! Wir holten Momo noch von der Arbeit ab und dann ging es in Richtung Heimat. Ich zog mein Weihnachtsmannkostüm über, überraschte zunächst meinen Papa und fuhr dann von dort aus zu Mama, Christoph und den Hunden. Am nächsten Tag kamen dann noch Oma, Opa, mein Onkel und mein Bruder, die natürlich auch noch überrascht wurden. Dann durfte auch der Rest der Welt erfahren, dass ich wieder da bin, denn nur 5 Leute aus der Heimat waren vorher in meinen Plan eingeweiht. Da hab ich alle anderen wohl verarscht. Ups. Naja, hier bin ich also wieder.

Nachdem ich die Weihnachtszeit mit meiner Familie verbrachte wurde es danach echt Zeit, meine engsten Freunde auch mal wieder zu sehen, und dann war ja auch schon Silvester.


Eine Menge To-Do‘s

Nachdem die Feiertage vorbei waren und das neue Jahr vor der Tür stand, stellte ich mich dann auch mal wieder der Realität. Nach 16 Monaten im Ausland entsteht da schon eine ganz schön lange To-Do Liste musste ich feststellen. Von Krankenkasse, Arbeitsamt, Zahnarzt, Straßenverkehrsamt über Jobsuche und Handy reparieren lassen bis aufräumen und Fotobücher erstellen ist wirklich alles dabei. Fertig bin ich natürlich noch lange nicht und manchmal kommen sogar wieder neue Punkte hinzu. Dann fällt einem plötzlich auf, dass man seinen PIN für die Bankkarte, die man natürlich 16 Monate nicht mehr benutzt hat, nicht mehr weiß. Der Besitz einer Kreditkarte hat mich gerettet, denn bis der neue PIN mit der Post ankommt dauert es ja auch immer etwas. Was die Jobsuche angeht dachte ich echt, dass es super schwierig werden würde jetzt während der Pandemie, wo viele Unternehmen doch Kurzarbeit haben, etwas zu finden. Allerdings konnte ich mein Glück in diesem Fall kaum fassen, denn bereits Mitte Januar konnte ich wieder in einer Firma in der Nähe anfangen, wo ich auch vor meiner Reise schonmal tätig war. Dort arbeite ich also nun wieder, zusammen mit meinen lieben Kollegen und bin sehr froh darüber.


Ein Gefühl von Leere

Klingt doch alles gut, oder? Wieso also rede ich dann davon, dass ich mir das Heimkommen einfacher vorgestellt habe? Nun, Zeit für etwas Realtalk würde ich sagen.

Fangen wir mal mit dem Wetter an. Am Tag meiner Abreise waren es in Brisbane 33 Grad, hier in Deutschland waren es dann so 30 Grad weniger und zu Beginn des neuen Jahres war auch schon alles mit Schnee bedeckt. Ja, ich habe gefroren, sehr! Mir war einfach durchgehend kalt, egal wo ich war. Auch das Auto fahren hier auf der rechten Seite und mit schalten, war erstmal wieder eine Umstellung, an die man sich aber zum Glück schnell wieder gewöhnt. Ja und dann natürlich die ganzen Corona Regeln, wo ich überhaupt keinen Plan von hatte, schließlich hatte ich das alles nie so lange und extrem erlebt, wie es hier der Fall ist. Ganz oft habe ich alle um mich herum gefragt, ob man dieses und jenes darf, ein paar mal die Maske vergessen, aber ich denke ansonsten schlage ich mich ganz gut. Klar wäre es schön mit ein paar Mädels abends einfach mal weggehen zu können, aber naja, dann macht man es sich halt Zuhause schön, natürlich den Regeln entsprechend. Da das für mich ja alles noch relativ neu ist, komme ich mit der Situation noch ganz gut zurecht.

Nunja, hier ist man also wieder. Zuhause, in seinem eigenen Zimmer. Unterwegs hat man sich immer so danach gesehnt und jetzt ist man hier und muss sich plötzlich wieder daran gewöhnen, dass es normal ist, sein eigenes Zimmer zu haben und es nicht mit fremden Leuten teilen zu müssen. Man hat seine Ruhe und Privatsphäre. Sein eigenes Badezimmer, eine Dusche mit vernünftigen Wasserdruck und Temperaturen, all diese Sachen, die man unterwegs so geschätzt hat sind einfach wieder ganz normal.

Achja und dann die Freunde. Die Freunde, die man 16 Monate nicht gesehen und doch so sehr vermisst hat. Zu erzählen gab es nicht viel, denn man hatte ja trotzdem Kontakt und sich viel erzählt oder man konnte auf Social Media sehen, was ich so erlebte. Es war einfach wie immer eigentlich, als wäre ich nie weggewesen, oder halt nur kurz. Aber das ist auch gut so, das alles wie immer ist, denn manchmal wächst man ja auch auseinander oder verliert den Kontakt. Auch diese Erfahrung musste ich leider machen und obwohl man ja neue Freunde dazu gewonnen hat, ist es schon komisch wieder hier zu sein und nichts mit den Leuten zu machen, mit denen man doch vorher gefühlt jeden Tag etwas unternommen hat. Man fragt sich, ob man sich nicht doch nochmal melden soll, aber warum Leuten hinterherrennen, wenn ihrerseits kein Interesse besteht? Hm. Dann gibts noch die, wo man denkt man wird jetzt, wo ich doch wieder da bin, ganz viel Zeit miteinander verbringen. Aber nein, so ist es nicht wirklich. Ob sie sich wohl auch erstmal daran gewöhnen müssen, dass ich wieder hier bin und man mich auch wieder nach Treffen fragen kann? Vielleicht, ich weiß es nicht.

Obwohl ich mich so freue alle wieder zu sehen und eigentlich so viele Dinge zu erledigen habe, ist da doch diese Leere. Eine Leere, die ich einfach nicht beschreiben kann. Ich will etwas erledigen, aber finde einfach keinen Anfang. Ich fange an nachzudenken, über alles mögliche, meine Gedanken sind ganz durcheinander. Obwohl ich gerne Zeit alleine verbringe fällt es mir momentan einfach schwer, ich verstehe nur nicht warum. Man fühlt sich irgendwie verloren, dabei ist man doch Zuhause. Vielleicht ist das normal wenn man so lange weg war, vielleicht muss man sich selbst einfach Zeit geben. Und mit wem soll man auch drüber reden, wenn man selbst nichtmal versteht was vor sich geht? Was mir gut tut und hilft, ist auf jeden Fall Zeit mit meinen Liebsten zu verbringen, Sport zu machen, Spazieren zu gehen und einfach einen normalen Alltag zu haben. Ich bin zuversichtlich, dass ich mich mit der Zeit mehr und mehr wieder einleben werde, bisher klappte es ja auch eigentlich ganz gut und bald werden die Tage ja auch schon wieder länger und sonniger, dann kann es ja sowieso nur besser werden!

Nunja, nun wisst ihr, wie es so sein kann. Das Heimkommen. 🙂


Danke fürs Lesen!

Eure Jenny.

2 Kommentare zu „Heimkommen.

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