COVID-19 Neuseeland


Lockdown und Blaubeermuffins im Gefängnis.


Die im Dezember 2019 in China ausgebrochene Atemwegserkrankung Covid-19, welche sich weltweit immer weiter verbreitete erreichte Neuseeland erstmals Ende Februar. In diesem Beitrag könnt ihr Lesen, wie ich die Pandemie in Neuseeland erlebt habe und welche Auswirkungen sie im Bezug auf meinen Reiseverlauf hatte und auch aktuell noch hat.


INHALT

Alert System

Erste Auswirkungen auf meinen Reiseverlauf

Lockdown

Zurück in Level 3

Zurück in Level 2

Zurück in Level 1

Aktuelle Situation


Alert System

Die Premierministerin von Neuseeland stellte ein Warnsystem zur Bekämpfung der Pandemie auf, welches aus vier Stufen besteht. Stufe 1 gilt als niedrigste und Stufe 4 als höchste Warnstufe. Dieses Warnsystem sowie dessen Stufe 2 wurde am 21. März bekanntgegeben.

Stufe 1: Grenzkontrollen zur Minimierung von Covid-19; Kontaktverfolgung; Selbstisolation und Quarantäne; intensive Corona Tests; körperliche Distanzierung; keine Massenversammlungen mit über 500 Menschen; bei Krankheit Zuhause bleiben; Hände waschen, in Ellenbogen husten, nicht ins Gesicht fassen

Stufe 2: Einschränkungen in Massenversammlungen; körperliche Distanzierung; Beschränkung nicht notwendiger Reisen innerhalb Neuseeland; alternative Arbeitsweisen; gefährdete Leute aufgefordert Zuhause zu bleiben

Stufe 3: betroffene Bildungseinrichtungen geschlossen; keine Massenversammlungen erlaubt; öffentliche Einrichtungen wie Bibliotheken, Kinos, Fitnessstudios etc geschlossen; von Zuhause aus arbeiten

Stufe 4: Alle müssen Zuhause bleiben; bis auf Supermärkte, Apotheken und anderen Lebensnotwendigen Einrichtungen ist alles geschlossen


Seit Ende Februar war ich in einem Hostel in Christchurch, welches früher mal ein Gefängnis war und auch jetzt noch dessen Andenken behält. Dort machte ich Work for Accommodation („Arbeit für Unterkunft“) in deren Putzteam. Drei Stunden Arbeit pro Tag, sechs Tage die Woche für ein Bett im Mitarbeiter dorm. Außerdem fand ich eine Stelle als Kellnerin in einer Bar/Restaurant im Zentrum von Christchurch.


Erste Auswirkungen auf meinen Reiseverlauf

Der eigentliche Plan war am 23. April für drei Wochen nach Australien zu fliegen und mit dem Greyhound Bus von Cairns bis nach Sydney zu reisen. Danach sollte es dann für eine Woche nach Fiji, von dort aus für 10 Tage nach Thailand und dann am 01. Juni wieder zurück nach Deutschland gehen. Gebucht war natürlich alles schon. Am 14. März erhielt ich dann eine Nachricht von Singapore Airlines, dass mein Flug nach Deutschland gecancelt ist und so begannen die ersten Planänderungen. Ich dachte hm okay, dann fliege ich halt nach Australien und Fiji und gehe dann nochmal zurück nach Neuseeland. Doch auch das hatte sich dann erstmal erledigt, als am 19. März sowohl Neuseeland als auch Australien die Grenzen dicht machten. Nagut, bleibe ich wohl erstmal weiter in Neuseeland, dachte ich mir dann. Ich stornierte alle bereits gebuchten Hostel in Australien, was zum Glück auch reibungslos klappte und für die gebuchten Flüge erhielt ich Gutscheine von den jeweiligen Airlines. Somit ging es also von ‚alles geplant’ zurück zu ‚alles offen‘.


Lockdown

Nachdem in allen Teilen Neuseelands Corona Fälle gemeldet wurden, wurde am 23. März mit sofortiger Gültigkeit die Stufe 3 des Warnsystems verhangen und die Regierung gab bekannt, dass es am 25. März um 11.59pm für ein Minimum von vier Wochen in Stufe 4 gehen wird. Somit begann der Lockdown in Neuseeland, der insgesamt bis zum 27. April ging.

Die erste Woche verbrachte ich viel in meinem Bett, um all den Schlaf der vorherigen Wochen nachzuholen, den ich aufgrund der Arbeit im Hostel und in der Bar nicht wirklich hatte. Außerdem ging ich viel durch den Park spazieren. Nach einer Weile kam ich dann mal raus aus meiner Höhle und fing an, die anderen Leute im Hostel kennenzulernen und Zeit mit ihnen zu verbringen. Wir veranstalteten Potlucks, bei denen jeder, der möchte, ein Gericht zubereitet und dann werden diese gemeinsam mit allen Teilnehmern in einer netten Runde gegessen. Nach der täglichen morgendlichen Arbeit im Hostel, die zu dem Zeitpunkt mehr aus desinfizieren als aus Betten machen bestand, machte ich zusammen mit zwei anderen Mädels draußen Sport. Wir motivierten uns immer gegenseitig und hatten eine Menge Spaß. Einmal liefen zwei Obdachlose vorbei, beobachteten uns und machten anzügliche Kommentare. Ich fing dann einfach an, Fotos von ihnen zu machen und dann rannten sie zum Glück auch schnell weg. Da im April ja auch Ostern war veranstalteten wir eine Ostereier-Jagd, bei der Eier und Süßigkeiten im Hostel versteckt wurden. Alle, die teilnehmen wollten, machten sich dann auf die Suche nach jeweils vier Items. Auch einen Blaubeermuffin Wettbewerb gab es, bei dem ich die Ehre hatte in der Jury zu sitzen und somit fünf unterschiedliche Blaubeermuffins essen konnte. Die Bewertung hat sich jedoch gar nicht als so einfach herausgestellt, da alle Muffins echt sehr lecker waren.

Viele Leute aus dem Hostel registrierten sich dann für die Rückholaktion und reisten nach und nach ab, sodass wir danach nur noch um die 25 Leute dort waren. Für die Rückholaktion registrierte ich mich nicht, da ich darin für mich persönlich keinen Sinn gesehen habe, denn in Deutschland war die Situation zu dem Zeitpunkt schlimmer und ich fühlte mich in Neuseeland einfach besser aufgehoben.

Wir im Hostel übrig gebliebenen wurden dann zu einer großen Familie. Wir hatten eine echt tolle und unvergessliche Zeit zusammen. Es gab Filmabende, es wurden Haare geschnitten und gefärbt, Gitarre gespielt und gesungen, Fotoshootings gemacht und noch vieles mehr. Ich werde diese Zeit nie vergessen und bin froh so tolle Menschen kennengelernt zu haben. Bei solch einer Ausnahmesituation schweißt man einfach in einer anderen Art und Weise zusammen. Hiermit ein Danke an alle meine Jail-Freunde! ❤️


Zurück in Level 3

„Back on level 3 – back on Uber Eats“ hieß es für uns am 28. April, denn mit Stufe 3 konnte man endlich wieder Essen bestellen, yay! Danach fuhren wir an den Strand und obwohl es gar nicht mal so warm war rannten wir, wie die Irren, ins Meer und genossen dieses unglaubliche Gefühl. Es gab weitere Potlucks und Trinkabende, bei denen viel gelacht wurde. Einen Tag fuhren wir mit ein paar Leuten mal in die Berge von Christchurch, wo wir rumkletterten und die Aussicht genossen. Leider musste ich auch wieder zurück zur Arbeit in der Bar, die natürlich noch nicht geöffnet hatte, aber von den Mitarbeitern renoviert wurde. Auch dem Krankenhaus stattete ich in Stufe 3 mal einen Besuch ab, da ich mir, so tollpatschig wie ich bin, beim Purzelbaum und Rückwärtsrollen machen auf harten Boden eine Gehirnerschütterung eingefangen habe – sowas kann natürlich auch wieder nur mir passieren, haha. Dort wurde ich gut behandelt und musste mich dann erstmal einige Tage ausruhen und erholen.


Zurück in Level 2

Am 14. Mai waren wir endlich zurück in Stufe 2. Ich traf mich erstmal mit einer guten Freundin, die ich als Aupair kennengelernt habe, wir fuhren zum Strand und in die Berge und waren froh uns endlich nochmal sehen zu können. Dann ging es mit einer kleinen Truppe aus dem Hostel nochmal an den Strand und natürlich rannten wir verrückten, obwohl es echt frisch war, mal wieder ins Meer. Es tat echt gut aber danach waren wir, wer hätte es gedacht, auch echt durchgefroren. Mit Stufe 2 war es auch wieder erlaubt innerhalb Neuseelands zu reisen und so mussten wir nach und nach Teile unserer großen Familie verabschieden, was nach so einer langen Zeit zusammen echt schwer fiel. Auch ich machte mir Gedanken, wie es weiter gehen sollte und traf erstmal die Entscheidung bis zum Auslauf meines Visums in Neuseeland zu bleiben. Nachdem dann der Großteil der Jail-Familie und unter anderem mir sehr ins Herz geschlossene Personen abgereist waren, wurde es auch für mich Zeit das Hostel zu verlassen, denn es war einfach nicht mehr dasselbe. Da der Süden der Südinsel noch auf meiner Liste stand, wusste ich, dass ich gerne dorthin möchte. Mit einer engen Freundin aus dem Hostel überlegte ich dann, einen kleinen Roadtrip zusammen zu machen. Hier schlossen sich dann noch zwei andere Hostel Freunde an und so kündigte ich meinen Job in der Bar, die inzwischen auch wieder mit gewissen Regelungen geöffnet hatte und der Plan für den Roadtrip stand, am 01. Juni sollte es los gehen. Zuerst an die Westküste und dann runter in den Süden. In Queenstown wollten wir uns nach 10 Tagen dann aufteilen und jeder seinen eigenen Weg gehen. Ich überlegte über die Wintermonate vielleicht nochmal als Aupair zu arbeiten, eventuell in Nähe eines Skigebiets, änderte dann aber meine Meinung und wollte nach Queenstown meinen Südentrip weiterführen und mich dann auf die Suche nach einem neuen Job machen. Nachdem der Plan stand, verabschiedete ich mich erstmal von meinen Aupair Freundinnen. Dann besuchte ich das Katzencafe in Christchurch und schaute mit drei Jail-Freundinnen sowohl Sonnenauf- als auch untergang. Wir bummelten außerdem über einen kleinen Markt, auf dem es sogar Currywurst und schönes deutsches Brot gab. Bei unserem Abschiedsessen im Hostel gab es leckere Burger und dann war es auch schon soweit und nach all den Leuten, die wir verabschiedeten, waren nun wir es, die gingen. Auf in ein neues Abenteuer mit Rebecca, Devin und Jakob.


Zurück in Level 1

Auf unserem Roadtrip waren wir nun bereits in Queenstown angekommen und am 9. Juni ging es zurück in Stufe 1, was man hier in der Party Metropole besonders merkte, denn es war nun wieder erlaubt feiern zu gehen. Im Allgemeinen fühlte sich alles schon wieder ganz normal an. In Queenstown gab es dann auch ein erstes Wiedersehen mit zweien aus unserer Jail-Familie. Es war so schön Emil und Mau nach einigen Wochen wieder in den Arm schließen zu können. Mit den anderen trennten sich dann quasi die Wege, wir verabschiedeten uns erstmal und ich begann mich für unzählige Jobs zu bewerben. Meinen Südentrip setzte ich dann erstmal fort und der Plan war dann hoch auf die Nordinsel bis nach Auckland zu reisen. Unterwegs bekam ich dann nach unzähligen Bewerbungen die Zusage eines Farmjobs auf der Nordinsel. Der Job sollte allerdings erst Ende Juli starten also schaute ich nach einer wwoofing Position (3-4 Stunden Arbeit pro Tag für Unterkunft und Essen) in der Nähe von Auckland und fand dann auch schnell eine auf einer kleinen Farm, für circa zwei Wochen. Auf dem Weg nach Auckland traf ich nochmal auf einige Freunde und Rebecca begleitete mich die letzte Woche auch nochmal. In Auckland angekommen war es dann erstmal ein schönes Wiedersehen mit unseren Freunden Francois und Emil aber dann hieß es auch wieder Abschied nehmen. Für mich ging es dann erstmal zum wwoofing Platz, danach nochmal zurück nach Auckland, wo ich meiner Freundin Tanja Auf Wiedersehen sagte und meinen Geburtstag mit Emil feierte. Nachdem die meisten meiner Freunde nun wieder zurück in ihrer Heimat waren, machte ich mich auf den Weg zu meinem neuen Job und einer neuen Erfahrung.


Aktuelle Situation

Neuseeland ist wieder im Normalzustand und neue Fälle gibt es eigentlich nur, wenn Neuseeländer aus dem Ausland zurückkommen. Diese müssen dann aber sowieso erstmal in eine zweiwöchige Quarantäne. Die Grenzen sind weiterhin dicht und ich arbeite momentan auf einer Farm. Arbeiten werde ich hier voraussichtlich bis Anfang Oktober, denn dann läuft mein Working Holiday Visum aus. Was ich dann machen werde ist noch unklar. Nach Hause möchte ich nach der ganzen harten Arbeit ehrlich gesagt noch nicht und von Winter Neuseeland zu Winter Deutschland klingt auch nicht so überzeugend. Am liebsten wäre es mir, irgendwohin ins Warme zu gehen und meine Fluggutscheine nutzen zu können. Momentan ist aber alles mehr als schwierig zu planen, ehrlich gesagt kann man gar nicht planen, sondern nur abwarten, denn es gibt so viele vielleicht‘s. Vielleicht verlängert die Regierung das Working Holiday Visum ja doch noch. Vielleicht gibt es eine Bubble mit den Cook Islands. Vielleicht vielleicht vielleicht. In meinem Kopf schweben viele Sachen, Plan A, B, C, D etc. Ich habe Ideen, aber wer weiß, was sich bis dann noch ändert. Ehrlich gesagt stresst es mich momentan nicht zu wissen, was ich machen oder wie ich es machen werde. Aber nunja, ich denke da geht es hier momentan mehreren so und was bringt es schon, seine Energie für Dinge zu verschwenden, die man eh nicht beeinflussen kann. Viele von euch denken bestimmt, flieg doch einfach zurück nach Deutschland, und es heißt nicht, dass ich nicht zurück nach Deutschland will, natürlich vermisse ich meine Familie und Freunde und freue mich darauf wieder zurück zu kommen, aber es gibt einige Gründe für mich, nicht direkt im Oktober zurück zu fliegen.

Ich werde also erstmal weiter arbeiten, weiter mögliche Pläne schmieden und einfach abwarten, wie sich alles entwickelt.


Danke fürs Lesen meine Lieben!

Eure Jenny.

Ein Kommentar zu „COVID-19 Neuseeland

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